News aus dem Projektstudio

Durch einen glücklichen Zufall kam ich in den Besitz von einigen “legendären” Outboard-Geräten, mit denen unsere großen Vorbilder gemischt und editiert haben. Und es zum Teil immer noch tun. Erst an diesen Geräten, ich meine ein paar EQ’s und Kompressoren, habe ich gelernt, “Sound” zu machen. Whow!
Aber , anschließend ging ich zurück zu meinen Plugins, und siehe da, es geht technisch gesehen genauso gut.
Die alten Geräte haben einen großen Vorteil: Sie können längst nicht alles, aber genau das was man braucht. Moderne Plugins hingegen können unsagbar viel mehr. Daher musst Du, wenn Du mit Plugins arbeitest, sehr genau wissen, wie Du was erreichst. Woher sollst Du das aber wissen. Du hast nur als Referenz Deine Lieblingsaufnahmen. Aber es fehlt das Ausgangsmaterial, daher nutzen sie zum Lernen nichts.
Mein Tip: Schneiss mal die ganzen Plugins für eine Weile weg und beschränke Dich auf das Wesentliche, nämlich Frequenzentzerrer (EQ) und Pegelentzerrer (Kompressoren). Dann beschäftige Dich intensiv mit dem Workflow. Beim Editieren einer Signalspur:

1. Technische Einstellungen: Zuschneiden des Frequenzbandes auf das eigentliche Nutzsignal und sogfältiges Einstellen des Signalpegels, ggf. ein bisschen Limiter

2. Makeup: Betonen des Wunschsignals frequenzmäßig durch eher schmalbandiges Anheben und pegelmäßig durch nachhaltigen Kompressoreinsatz. Ggf. mehrere Kompressoren mit unterschiedlichen Einstellungen, Parallelkompression usw.

3. Säubern von unerwünschten Nebeneffekten, die nun hervortreten, vor allem mit Deesser, Expander(Gate), Notchfilter.

4. Veredeln mit ein Reverb, Exiter, Tube, usw.

Dieser systematische Arbeitsablauf muss immer eingehalten werden. Natürlich darf man iterativ arbeiten, also hin und wieder einen Schritt zurück und nachbessern, wenn man übertrieben hat.

Du wirst sehen, dass Dein Equipment völlig ausreichend ist. In den 80′gern hätte man von diesen Möglichkeiten geträumt!
Was Du allerdings schnell merken wirst, ist die Problematik, dass bei dem erforderlichen intensiven Einsatz von EQ und vor allem der Kompressoren der Raumhall Deines Projektstudios Probleme macht, da Dein Aufnahmeraum sicher eher klein ist. Durch die kurzen Laufzeiten kleben die Direktreflektionen förmlich an Deinem Nutzsignal und machen eine Einstellung der Kompressoren, wie sie die Profistudios machen, fast unmöglich.
Ich bin stundenlang mit einem Knallfrosch und Zollstock in meinem Studio rumgerannt und habe die meisten Reflektionsquellen zu 50% (20db) mit einfachen Schaumstoffplatten ausgemerzt. Weitere 30% (10dB) bekomme ich mit Expander oder Gate hin, aber der letzte Rest fehlt. An ganz störenden Stellen kann man manuell in der DAW schneiden, aber ein Teil wird ja noch im Mix verdeckt.